Melismen singen

15.09.2025 13:20 (zuletzt bearbeitet: 15.09.2025 13:53)
avatar  Anja
#1 Melismen singen
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Hallo an alle,

ich habe die Frage: wie lasst ihr längere Melismen singen?
Bei meinen Chören achte ich darauf, das bei mehreren Tönen pro Silbe möglichst ohne "Zwischen-H" gesungen wird und der Vokal gebunden ist.
Aber bei schnellen Tonfolgen in längeren Bögen sind die Töne deutlich sauberer (und spürbar vom Zwerchfell unterstützt), wenn die einzelnen Töne mit einem "h" begonnen werden.
Wird das "H" weggelassen ist es tonmäßig eher indifferent und unsauber. Und wenn man den Vokal bei jedem Ton neu anstößt klingt es noch seltsamer und abgehackter als mit dem "h" dazwischen.
Beispiel: Viele verachten die edele Musik: "Sa-a-a-a-a-a-anctus" versus "Sa-ha-ha-ha-ha-ha-hanctus" versus "Saaaaaaaaaaa-anctus"
Oder bei In Excelsis Deo: "Glo-ho-ho-ho-ho-hoo-ho-ho-ho-ho-hoo-ho-ho-ho-ho-ho-ria". (? echt? Soll das so?)

Ich habe mir im Netz etliche Melismen-Beispiele angehört und mir scheint, dass auch die Profis eher mit dem Zwischen-H singen. Von den Tönen her sehr sauber. Aber eben "Sa-ha-ha-ha-ha-ha-hanctus"
Gerade war ich in der Oper und auch dort lauter "Zwischen-H"s...

Irgendwie stört mit das Zwischen-H akustisch aber unsauberen Brei finde ich auch nicht gut.
Wie wäre es in der Theorie richtig?
Wie macht man ihr es bei Laienchören?

Liebe Grüße
Anja


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24.09.2025 07:57 (zuletzt bearbeitet: 03.10.2025 15:25)
#2 RE: Melismen singen
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Liebe Anja,
ich habe mich schon lange von h-losen Melismen verabschiedet.
Sie müssen ja nicht übertrieben werden und am Ende ist es eine Frage des Tempos, ob das Zwerchfell noch mitarbeiten kann.
Aber die schnelle und saubere Kehleinstellung, die die h-losen Melismen erst ermöglicht ist bei den meisten Sängern zu indifferent und langsam – ergo unsauber.

Das öffnen der Stimmlippen zwischen den Tonschritten erlaubt ein präziseres Tonsetzen. Ohne H wird es halt ein Schmieren.
Ich denke mir das H wie Treppenstufen und ohne H ist ein Hang, den man hochläuft.
Die Treppen haben definierte Abstände.
Beim Hang muss ich (meine Kehle) selbst die Schrittweite definieren – und das ist schwer.

Ich erkläre das „H“ schlicht nicht zum Klangziel, sondern zur Hilfe – wenn nötig - und denke nicht (mehr) darüber nach.

Merke selbst den Unterschied, wenn du einmal mit und dann ohne H singst und wieviel mehr Konzentration für das h-lose Singen gebraucht wird.
Oder um beim Bild vom Hang zu bleiben: gehe einmal 10 Meter und halte die exakt selbe Schrittlänge ein – das ist ohne Übung echt schwer.
D.h. nicht, dass das nicht ein Ziel sein kann – aber der Weg ist anstrengend für die Sänger und der Effekt mir nicht groß genug, wenn man den Sängern eben nicht zu viel H erlaubt – eben nur genug zur Hilfe.

So mache ich das und mache mir und meinen Sängern evtl. das Leben einfach, aber wie gesagt ist mir der Effekt ohne H zu singen nicht groß genug, wenn man das H durch Übungen fast reduziert.

Wenn das aber deine Klangvorstellung ist, dann musst du deinen Sängern den Weg erleichtern:
Ein Melisma ganz langsam und sehr legato beginnen zu üben.
Niemals ein H zulassen und graduell das Tempo erhöhen.
Nur so haben die Sänger eine Chance, dass die Kehle lernt sich einzustellen.
Viele Grüße!

PL

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03.10.2025 12:39
avatar  Anja
#3 RE: Melismen singen
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Hallo Philipp,

vielen Dank für deine Antwort. Ja, so werde ich es machen: das H nutzen, aber möglichst wenig hörbar.
Das hat sich in zwei Chören gerade von selbst so entwickelt. Und das Ergebnis ist gut genug, dass es mich nicht mehr stört.

Liebe Grüße
Anja


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