Textproblem in Sachsen

08.11.2025 01:21
avatar  Steffen
#1 Textproblem in Sachsen
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Hallo,
lange habe ich nichts von mir hören lassen, aber doch immer mal verfolgt, was hier so geschrieben wird.
Nun eine Frage meinerseits: hat jemand Erfahrung mit sächsischen Sängern? Im Leipziger Dialekt wird das "Ch" bzw. "ig" gern und zum "Sch" und es genügt, wenn's eine oder einer so singt. (Siehe, dein Könisch kommt zu Dir...")
Meine Versuche, das zu verbessern, waren bisher erfolglos. Das ist so drin, dass es die betreffende Sängerin gar nicht bemerkt, wenn sie's so singt. Wie machen das nur die Thomaner, frage ich mich...
Liebe Grüße in die Runde!
Steffen


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11.11.2025 20:01
avatar  Anja
#2 RE: Textproblem in Sachsen
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Hallo Steffen,

oh, mit sächsisch ist es bestimmt besonders deutlich zu hören.
Mir fällt nur ein, dass alle Sänger sich von Hand im Text notieren sollen, wie es ausgesprochen werden soll (so wie bei unbekannten Fremdsprachen).
Vielleicht hilft es, wenn du es als "Fremdsprache Hochdeutsch" anmoderierst und sie bittest, dies mit der Konzentration und eigenen Vermerken wie eine Fremdsprache zu singen.

Oder du drehst es um und machst daraus ein "Alleinstellungsmerkmal", indem du beim Auftritt anmoderierst, dass ihr euch als Besonderheit entschlossen habt, das Stück sächsisch zu singen. ;-)

Liebe Grüße
Anja


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24.11.2025 15:23
avatar  Steffen
#3 RE: Textproblem in Sachsen
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Es wäre natürlich echt witzig, liebe Anja, bewusst mit Dialekt zu singen, schließlich haben Bach und Mendelssohn ja lange hier gelebt und gearbeitet. Zumindest zweiterer hat zwar sicher nicht selbst gesächselt, aber seine Sänger möglicherweise schon.
Das mit dem Reinschreiben in Lautschrift wäre schon 'ne Idee, zumal es eigentlich nur eine einzige Sängerin betrifft. (Aber das reicht eben leider für alle 😐)
Mal probieren.
Liebe Grüße
Steffen


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26.11.2025 09:28
#4 RE: Textproblem in Sachsen
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Nur ein kurzer Nachtrag: ich verweise da immer auf den Barabas-Effekt:
Eine Mugge und wir hatten irgendeine Passion gespielt.
Die Menge (der Chor) darf wählen, ob der Mörder Barabbas oder Jesus freikommen soll.
Pontius Pilatus fragt also singend: „Wen wollt ihr?“ Und die Menge antwortet im lateinischen Akkusativ: „Barabbam!“.
Barabbam wird nun kein unbedarfter Zuhörer als korrektes Wort wahrnehmen.
Es gibt in jedem 80-Sänger starken Laienchor den einen engagierten Sänger, der auf Deutsch antwortet. Wenn der Dirigent Glück hat, nur in der Probe…
Im Zweifelsfall im Konzert und dann hat der ganze Chor Pontius Pilatus im deutschen Akkusativ „Barabbas“ geantwortet, weil dem Zuhörer dieses eine starke „s“ absolut korrekt vorkommt und seine Wahrnehmung darauf fokussiert ist.
So habe ich dieses Phänomen Barabbas-Effekt getauft.

Ein S-Laut ist einfach total mächtig und muss unterbunden werden.
Wie auch beim „deutschen Englisch“ wo das „th“ bei einigen ein „s“ wird.
Ich bin da sehr konsequent, gebe Hilfestellungen und gehe diesen wenigen Sängern, die da immernoch nicht dran denken eine Probe lang total auf die Nerven durch permanentes Abwinken und Hinweisen, bis sie sich verzweifelt der allgemeinen Aussprache ergeben oder meine Substitutaussprachen akzeptieren (z.B. statt ‚th‘ ein ‚w‘)
Und wenn es eben wie eine Fremdsprache gelernt werden muss.
Ich singe gerade mit einem Chor isländische Lieder – da haben wir tatsächlich Noten mit Lautsprache (aber lateinischen Buchstaben) erstellt. (siehe PDF).
Viele Grüße!

PL

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