Chorleiterpreis

22.03.2023 09:54
#1 Chorleiterpreis
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Ich werde immer wieder gefragt, ob ich nicht einmal in meinen Kanälen und auch sonst für einen Chor seine Chorleitersuche veröffentlichen könnte, bzw. ob ich nicht einen Chorleiter kenne, der diesen oder jenen Chor übernehmen könnte.
Das tue ich gern, aber nur noch, wenn ich weiß, wieviel der Chor dem Chorleiter auch bezahlen kann und dies dann auch in die Anzeige schreibt.
Gute(!) Chorleiter sind im Augenblick nicht unbedingt Mangelware, aber sie können sich einen neuen Chor aussuchen. Somit muss ein Chor gut für sich werben.
Neben all den normalen Dingen wie korrekte Infos, ansprechender Anzeige usw. ist es jetzt eben auch wichtig das mögliche Gehalt zu nennen.
Das war bisher nicht unbedingt erforderlich, aber hilft wirklich ungemein.
D.h. wenn ein Chor nur 150€ (30-50€ pro Probe) im Monat zahlen kann, wird sich auf diese „Stelle“ kein fortgeschrittener Chorleiter bewerben – aber gleichzeitig ist darüber schon eine Vorauswahl getroffen worden und die enttäuschenden Telefongespräche spart man sich auch (auf beiden Seiten).
Wirbt man als Kirchenchor ab 300€ (80-100€ p.P.) kommt es auf die Entfernung an (evtl. wird es dann der Chorleiter, der eh im Dorf wohnt).
Und alles darüber spricht auch freiberufliche Chorleiter an.
D.h. sollte ein Chor über 350€/Monat (120-150€ p.P.) bezahlen können, wäre er gut beraten dies auch in die Stellenanzeige zu schreiben. Geht da noch mehr, auch gerne mit „VB“ – also als Verhandlungsbasis.
Ab 500€ kann man die bei einem wöchentlich probenden Konzertchor aber getrost weglassen.

Wichtig ist auch zu erwähnen ob und wieviel es für Extraproben und Konzerte/Auftritte gibt.
(Siehe dazu auch meine Chorleitervertragsvorlage im Buch!)

Aber selbst wenn man nur einen fixen Betrag hat, gibt es immer Möglichkeiten das Gehalt aufzustocken.
Gibt es z.B. Fahrtkosten? (Die ich aus steuerlichen Gründen immer im Honorar integriert berechnet lassen würde).
Der Chorleiter könnte auch sondervergütete Stimmbildung anbieten, oder anteilig an den Konzerteinnahmen (also relativ - damit für den Chor risikolos) beteiligt werden, etc.
Auch sollte das Gehalt an den Erfolg des Chores angepasst werden: wächst der Chor mit dem neuen Chorleiter, wäre das ohne ihn nicht möglich gewesen und dann darf er dafür auch honoriert werden.

Geld darf nicht der vorherrschende Faktor bei der Chorleitersuche sein, aber ohne geht es eben nicht. Und wenn man für seinen Chor einen Menschen sucht, der eine jahrelange Ausbildung und Erfahrung vorzuweisen hat, dann muss man davon ausgehen, dass dieser Mensch für seine Arbeit mit dem Chor auch in einem angemessenen Rahmen entlohnt werden muss.
Bei Chorleitern bekommt man in den meisten Fällen tatsächlich das, wofür man bezahlt - und wenn man etwas ordentliches bezahlen kann, dann darf man damit bitteschön auch werben.

PL

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03.10.2025 15:07
#2 RE: Chorleiterpreis
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Hallo, ich hätte zum Chorleiterhonorar eine Frage. Wir zahlen unserem Chorleiter derzeit 310 Euro pro Monat für insgesamt 24 Proben pro Jahr. Wir proben alle 2 Wochen und machen im Sommer eine vierwöchige Probenpause.
Nun wünscht sich der Chorleiter eine Erhöhung des Honorars auf 350 Euro pro Monat. Ich finde den bisherigen Betrag von 175 Euro für eine 90-minütige Probe allerdings schon recht großzügig bemessen, zumal der Chorleiter für jeden Auftritt je nach Art des Konzerts ein Extrahonorar bekommt, dessen Höhe er (bislang) selber festlegt (zwischen 80 Euro und 700 Euro).
Liege ich mit meiner Einschätzung richtig oder sind seine Wünsche berechtigt? Dazu sagen muss ich allerdings auch, dass wir ein kleiner Chor sind, der das erhöhte Honorar nicht mehr komplett mit den regulären Mitgliedsbeiträgen bezahlen könnte.
Für eine Einschätzung wäre ich sehr dankbar!


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03.10.2025 15:24
#3 RE: Chorleiterpreis
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Guten Tag,
dazu braucht es ein paar mehr Informationen:
Gibt es Fahrtkosten, bzw. wie weit wohnt der Chorleiter weg.
Welches Niveau strebt der Chor an – ist ein gut ausgebildeter Chorleiter notwendig?
Nach welchen Kriterien legt der Chorleiter sein Konzerthonorar fest, bzw. wie kommt es zu der massiven Spanne (80-700€)?
Wie groß ist der Mitgliedsbeitrag und wie viele Mitglieder gibt es?
Wie häufig konzertiert der Chor und werden darüber Einnahmen generiert?
Seit wann bekommt der Chorleiter dieses Honorar, bzw. gab es in der Vergangenheit schon eine Erhöhung?
Und schlussendlich: ist es ein dörflicher Chor oder in einem Stadtgebiet. Auf dem Land ist die Chorleiterauswahl recht gering und man muss nehmen (und bezahlen) was man kriegt. In der Stadt ist die Auswahl an Chorleitern größer – entsprechend muss man als Chor weniger flexibel sein.
Wenn du mir diese Fragen beantwortest, kann ich eher einschätzen, ob die Erhöhung gerechtfertigt ist.
Ich muss nicht wissen, um welchen Chor es sich handelt, bzw. wo er verortet ist. Dies kann alles anonym beantwortet werden.
Viele Grüße
Philip

PL

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03.10.2025 16:37
#4 RE: Chorleiterpreis
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Hallo Phil, vielen Dank für die schnelle Rückmeldung!
Wir sind auf dem Land in einer kleinen Stadt. Der Chorleiter wohnt am Ort, hat sehr kurze Wege zur Probe.
Unser Chor hat 30 Mitglieder, inaktive haben wir nur 2. Den Mitgliedsbeitrag haben wir von zunächst 7 Euro auf 12 Euro pro Monat erhöht, da wirdie laufenden Kosten sonst nicht decken konnten.
Wir singen in der Regel mittelanspruchsvolle weltliche Chorliteratur. Konzerte geben wir hier am Ort bzw in anderen kleinen Orten in der Nähe, deren Chöre vom gleichen Chorleiter geleitet werden und ein ähnliches Niveau haben.
Bei einem großen Konzert mit externen Solisten o. Ä., bei dem ein Eintrittspreis erhoben wird, hat der Chorleiter bislang 600-700 Euro an Zusatzhonorar verlangt. Bei solchen Konzerten wird in der Regel ein Eintrittspreis erhoben und wir bekommen Unterstützung durch örtliche Sponsoren, so dass in der Regel ein Gewinn für den Chor erzielt werden kann.
Bei Kurzauftritten, z. B bei Geburtstagsfeiern, im Altenheim o. Ä. verlangt er 80 Euro, die er nun auf 100 Euro erhöhen möchte. Für so einen Auftritt bleiben uns als Chor ca. 50-100 Euro.
Ein großes Konzert hatten wir bislang 1x im Jahr, kleinere Auftritte ca. 2-3 pro Jahr.
Die letzte Erhöhung war 2021.


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03.10.2025 17:43 (zuletzt bearbeitet: 03.10.2025 17:54)
#5 RE: Chorleiterpreis
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Vielen Dank für die Informationen.
Ein Gehalt ist eine subjektive Sache.
Als Chorleiter im Laienbereich verkauft man ja in erster Linie sich selbst.
Wieviel bin ich dir wert? Was biete ich dir, dass ICH als „weiche Ware“ deine „harte Währung“ verdiene?
Ein Chorleiter ist ja kein Liter Milch – es gibt keine klaren Kriterien (auch wenn manche Chorverbände diese gerne proklamieren).
D.h. euer Chorleiter fühlt, dass seine Ware (das was er anbietet) nun einen höheren Preis rechtfertigt.
Ihr seht das nicht so.
Warum gibt es hier diese Diskrepanz?
Für euch steht im Vordergrund, dass ihr die Mitgliedbeiträge erhöhen müsstet. Dies ist ein klarer Grund.
Weiterhin das Gefühl, dass 155€ pro Probe genug sind.
Die Preiserhöhung den Sängern schmackhaft zu machen ist nicht das Problem des Chorleiters – insofern bleibt nur ein Gefühl gegen Gefühl: „ich und meine Zeit sind mehr wert“ gegen „das ist genug“.
Das Problem ist nämlich, dass man keinen echten Stundenlohn ausrechnen sollte(!). Der wird nämlich immer(!) zu niedrig ausfallen.
Insofern bleibt mir hier auch nur eine subjektive Einschätzung, die aber mit Erfahrung und Vergleichen gefüttert ist:

1. Auch schon 155€ für eine 90 Minütige Probe ist viel Geld. So viel bekommen die Wenigsten. Um das abschließend zu bewerten müssten man die Ausbildung und Berufserfahrung kennen, ihr Qualität beurteilen und (wichtiger!) was der Chorleiter außerhalb der Probe bietet: Noten einrichten, Über-Klang-Dateien erstellen, Organisation, etc. oder ist das alles delegiert? Das würde ja den Stundenlohn drücken.
Die Qualität dieser Nebenarbeiten könnte ich wirklich nur bewerten, wenn ich sie selbst in Augenschein nehme, deshalb ist eine Beschreibung nicht gänzlich hilfreich. Ich kenne auch viele sehr gut ausgebildete Chorleiter, die aber im Laienchor gänzlich untergehen, weil sie eben für Profichöre ausgebildet wurden.
So oder so: auch mit den Extraarbeiten wären 155€ für 90 Minuten Probe ohne Anfahrt auf dem geschilderten Niveau vollkommen in Ordnung (sogar obere Grenze).
2. Das Konzerthonorar würde ich vertraglich regeln und nicht jedes Mal aushandeln. Das nervt nur alle Beteiligten. In eurem Fall wäre evtl sogar eine Prozentuale Konzertbeteiligung vor(!) Kosten anzudenken. Dies immer mit einem Mindesthonorar. Oder eben ein festes Honorar für große Konzerte.
3. Das Honorar für die kleinen Auftritte sollte auf 100€ hochgestuft werden. Er hat auch für diese Auftritte die Verantwortung und in heutigen Zeiten mit Social Media etc. gibt es keine „kleinen Auftritte“ mehr. Nur kurze. Jeder Auftritt kann viral gehen und dann bitte weil er schön und gut war und nicht weil bei Oma Erna im Wohnzimmer zum Geburtstag der Chor ein Beispiel für schlechten Geschmack war.

Schlussendlich müsst ihr euch immer im klaren sein, dass der Chorleiter seine Gehaltsvorstellungen wegen einem Gefühl geändert hat.
Natürlich ist alles teurer geworden, aber im Vergleich ist er schon sehr gut bezahlt. Genug ist es mit Sicherheit nie.
Kommt ihm über die kleinen Auftritte etwas entgegen. Vereinbart ein festes (oder prozentuales) Gehalt für die großen Konzerte.
Will er wirklich das monatliche Honorar durchdrücken fragt ihn, was er an Mehrleistung bieten kann und will.
Evtl. Stimmproben vor der Probe? Jetzt auch Übe-Klang-Dateien?
Ihr müsstet ja den Sängern eine Erhöhung des monatlichen Mitgliedbeitrages erklären.

Und nochmals abschließend: in der Verhandlung muss man wirklich sensibel sein,
(ich wiederhole es 25x, da in meinen Mediationen das eines der größten Probleme ist)
da die Höhe des Chorleitergehalts in freien Chören in den wenigsten Fällen auf faktischen Umständen beruht.
Es ist eigentlich immer ein emotionaler Betrag.
Der Chorleiter fragt sich, was er wert ist und ihr fragt euch, wieviel er und seine Persönlichkeit euch wert sind.
Und dann ist es auch noch immer eine Frage, was für ein Verhältnis die beteiligten Personen zu Geld haben (muss der Chorleiter z.B. vom Honorar leben oder ist das sein Hobby?).

Wenn weitere Fragen aufkommen sollten, frage gerne.
Viele Grüße
Philip

PL

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